Zu den ältesten und wichtigsten gemeinnützigen Einrichtungen gehören Brunnen. Die Versorgung mit Trinkwasser war eine Voraussetzung für die Existenz von Ansiedlungen. Diesem weitgehend unbekannten Thema in der Museumslandschaft widmet das Museum im Wasserwerk eine Sonderausstellung. Dabei geht es überwiegend um Sachzeugen der Trinkwasserversorgung vor dem Bau des ersten Wasserwerks in Berlin im Jahre 1856.

Doch die enorme Bevölkerungszuwanderung in die Stadt, bedingt durch die Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der Bauboom und die territoriale Ausdehnung führten zu einem Anstieg des Wasserverbrauchs, der nicht allein durch das Wasserwerk am Stralauer Tor abgedeckt werden konnte. Deshalb bezogen viele Berliner weiterhin das billige, aber durch die unzureichenden hygienischen Bedingungen immer schlechter werdende Wasser aus Straßen- und Hofbrunnen.

Trotz neuer Wasserwerke hatten die technisch verbesserten Brunnen und Pumpen bis etwa 1930 in der Stadt ihre Bedeutung, besonders aber zu Feuerlösch- und Straßenreinigungszwecken, Viehtränken und zur Notversorgung.
Schwerpunkte der Ausstellung sind drei im Besitz der Berliner Wasserbetriebe befindliche Originalfunde. Ein Kastenbrunnen aus dem 14. Jahrhundert, eine Hauswasseranlage aus dem 19. Jahrhundert, beides aus Spandau und eine Holzrohrleitung, gefunden in Kreuzberg, aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie wurden in den 80er Jahren bei Ausgrabungen und Ausschachtungsarbeiten freigelegt und vom Archäologischen Landesamt geborgen.
Unter fachkundiger Anleitung des Archäologischen Landesamtes wurde der aus einem Ober- und Unterkasten bestehende Brunnen durch Mitarbeiter der Berliner Wasserbetriebe konserviert und aufgebaut.

Ein ganz besonderes und außergewöhnliches Exponat ist ein 12 Meter langes Holzrohr, das zu der genannten Holzrohrleitung gehört. Es ist nicht bekannt, dass ein Rohr von derartiger Länge in einer anderen Sammlung existiert oder in der Literatur erwähnt wird. Daneben werden zahlreiche Fotos von den Ausgrabungen und Fundorten gezeigt, womit der archäologische Aspekt der Ausstellung betont wird. Die drei großen Originalexponate werden eingeordnet in den historischen Zusammenhang.

Die ersten schriftlichen Überlieferungen über die Benutzung und Pflege der Brunnen sind im „Berliner Stadtbuch“ um 1390 niedergelegt. Die von Kurfürst Friedrich Wilhelm 1660 erlassene „Brunnen- und Gassenordnung“, u.a. mit einem Verzeichnis der Standorte der öffentlichen Brunnen, enthält Anweisungen zur Erhaltung und Pflege der Hof- und Straßenbrunnen in Berlin und Cölln.
Auf der Grundlage dieser Ordnung hatte die Zunft der Brunnenmacher Brunnen zu errichten, zu reinigen und zu überwachen.
Über die Arbeit der „Plumpenmacher“ berichten ausgestellte Dokumente und Abbildungen.
Auch im 19. Jahrhundert regelten Polizeiverordnungen die Aufstellung und Verteilung von Straßen- und Hofbrunnen. Die Standorte in der Stadt kann sich der Besucher mit Hilfe historischer Karten erschließen.

Neben bildlichen Darstellungen der Holzrohrherstellung kann man originale Flansch-Verbindungen sehen. Die Enden der Holzrohre wurden an Bleiflansche angenagelt, die durch ein Bleirohr miteinander verbunden waren.

In einem Klappbuch sind Brunnen und Pumpen nach dem Bau des ersten Wasserwerkes abgebildet. An sehr schönen technischen Zeichnungen aus dem Archiv des Museums lässt sich der Übergang von den alten Kesselbrunnen zu den Rohrbrunnen nachvollziehen.
Ab 1875 werden die technisch verbesserten Pumpen mit ihrem Pumpenkörper künstlerisch gestaltet.
Der preisgekrönte Entwurf für eine kommunale Straßenpumpe von Otto Stahn wurde ab 1893 von der Aktiengesellschaft Lauchhammer in Gusseisen hergestellt.
Die „Lauchhammerpumpen“ wurden zum Inbegriff der „Berliner Plumpe“.
Brunnen und Pumpen sind neben ihrer Funktion als Wasserversorgungsanlagen Kommunikations- und Erlebnisbereiche. Künstlerische Darstellungen davon werden in einem zweiten Klappbuch gezeigt.