Wasser für Berlin
Querschnitt durch die Geschichte der Wasserversorgung und Stadtentwässerung
(1850 bis 1950)

Die ständige Ausstellung zeigt einen Querschnitt durch die Geschichte der Wasserversorgung und Stadtentwässerung Berlins von 1850 bis 1950. Der Besucher erfährt etwas über die Versorgung der Berliner Bevölkerung mit Haus- und Straßenbrunnen sowie über hölzerne Wasserleitungen vor der Einführung der zentralen Wasserversorgung.
Ebenso werden die unzureichenden hygienischen Verhältnisse in der Stadt und die ständige Wiederkehr von Seuchen und Epidemien vor dem Bau der Kanalisation dargestellt.

 
  Henry Gill, (1824-1893), erster Direktor der Städtischen Wasserwerke   
Die zentrale Wasserversorgung begann mit dem Bau der Wasserwerke vor dem Stralauer Tor (1856), Tegel (1877), und Müggelsee (1893) unter dem Direktor der Städtischen Wasserwerke Henry Gill.  
 
Modernisierung und Neuorganisation der Wasserversorgung in den zwanziger Jahren und die seit 1933 veränderten politischen Verhältnisse nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten und ihr Widerspiegelung bei den städtischen Betrieben, können anhand von Dokumenten, Fotos und Karten nachvollzogen werden.
Die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf die wasserwirtschaftlichen Einrichtungen und der Einsatz von Zwangsarbeitern in dieser Zeit sind dokumentiert.
Der Neuaufbau nach dem Ende des Krieges und die Trennung der Wasserversorgung zwischen Ost- und West-Berlin nach der Spaltung der Stadt 1949, beenden den ersten großen Abschnitt der ständigen Ausstellung in der ehemaligen Kesselhalle.

 
  Der Rundgang setzt sich in der Maschinenhalle fort. Dort befinden sich drei stehende doppeltwirkende Verbundkolbendampfmaschinen mit Einspritzkondensation von 1893. Erst 1979 wurde der Dampfbetrieb eingestellt und die letzten Maschinen dieser Antriebsart im Wasserwerk Friedrichshagen stillgelegt. Für Besucher schnauft eine solche alte Maschine auch heute noch – allerdings nun von einem Elektromotor angetrieben.
Der zweite Abschnitt der Ausstellung ist der Stadtentwässerung Berlins gewidmet. Unter dem Titel „Vom Karren zur Kläranlage“ kann die Entwicklung der Berliner Abwasserentsorgung über 120 Jahre zurück verfolgt werden.
Maschinenhalle von 1893 mit stehenden doppelt wirkenden Verbundkolbendampfmaschinen
 
 
Es wird über den Bau der Kanalisation, der Pumpwerke, der Rieselfelder und der ersten Klärwerke informiert. In einem Raum wird auf sehr anschauliche Weise ein Labor um 1900 und in einem weitern Raum die schwere Arbeit der Kanalreinigung in den zwanziger Jahren gezeigt.

 
  Historische Kanalreinigungsgeräte in der ständigen Ausstellung
Auf der 5 000 m² großen Freifläche des Museums sind alte Pumpen, Rohrleitungen und Schieber ausgestellt. Der Besucher wird zum Verweilen eingeladen, man kann den Blick auf den Müggelsee genießen und gleichzeitig die Architektur auf sich wirken lassen. Es wird deutlich, wie geschickt es der Architekt Richard Schultze verstand, Zweckbauten dem Charakter des märkischen Landes entsprechend zu gestalten.
In der Nähe des Seeufers steht ein sechseckiges, einer Kapelle ähnelndes Gebäude – ein 1904 erbauter Sammelbrunnen. Dort endeten Herberleitungen, durch die das Grundwasser zum Sammelbrunnen floss und zu den Aufbereitungsanlagen des Wasserwerks gepumpt wurde. Heute befindet sich hier eine Ausstellung über die Funktion des Sammelbrunnens und die von 1991 bis 1995 an dem Gebäude vorgenommene Restaurierung.

 
  Neben der ständigen Ausstellung finden regelmäßig Konzerte sowie Sonder- und Wechselausstellungen statt, die die Dauerausstellung ergänzen.
Dem Museum ist das historische Archiv der Berliner Wasserbetriebe angeschlossen. Hier lbefindet sich ein seltener Spezialbestand von Fotos, Plänen, Zeichnungen und gegenständlichen Exponaten zur Geschichte der Berliner Wasserversorgung und Stadtentwässerung. Nach Absprache steht er internen und externen Nutzern für Recherchen, Publikationen und Ausstellungen zur Verfügung.
Sammelbrunnen zur Förderung von Grundwasser, gebaut 1904