James Hobrecht ? Ein Weg, zwei Straßen, eine Brücke und ein verfallenes Gut am Stadtrand von Berlin, sind nach ihm benannt. Wer er war, wissen nur noch wenige. Dabei steht der Name Hobrecht für moderne hygienische Verhältnisse durch die Stadtentwässerung, Verkehrs- und Stadtplanung, die Regulierung der Spree, Brückenbauten, Stadtgüter und vieles mehr.

Aus Anlass des hundertsten Todestages am 8. September, erinnert das Museum im Wasserwerk an James Hobrecht und seine Leistungen für Berlin. An den vielfältigen und unermüdlichen Ingenieur, Modernisierer und Stadtplaner, der sich bei seiner Arbeit radikal für seine sozialpolitischen Überzeugungen engagierte.

 
 


James Friedrich Ludolph Hobrecht wurde am 31. Dezember 1825 als Sohn eines ostpreußischen Landwirts und einer aus England stammenden Mutter in Memel (heute Kleipeda, Litauen) geboren. Nach der Schulzeit am Collegium Fridericianum in Königsberg und einer Ausbildung als Feldmesser, studierte er ab 1847 an der Berliner Bauakademie. 1858 erhielt Hobrecht, nunmehr als geprüfter „Baumeister für den Wasser-, Wege- und Eisenbahnbau“, eine Anstellung als Baumeister beim Königlichen Polizeipräsidium.

Bau des Urbanhafens  
 

Die längste und wichtigste Zeit seines Lebens verbrachte Hobrecht in Berlin. Im April1859 übernahm er im Auftrag des Ministeriums für öffentliche Arbeiten die Leitung der Kommission zur Ausarbeitung des Bebauungsplanes für die Umgebungen Berlins. Mit dieser Arbeit gelang es, baulichen Wildwuchs einzudämmen und der Stadterweiterung eine planerische Grundlage zu geben. In seinen Schriften brachte Hobrecht seine scharfe Ablehnung schlechter und ungesunder Wohnverhältnisse zum Ausdruck. Feuchte Wohnungen und lichtlose Hinterhöfe hatte er nie geplant.
Nach fast dreijähriger Arbeit am Bebauungsplan übernahm James Hobrecht von 1861 bis 1869 die Funktion als Stadtbaurat in Stettin, wo er die Wasserversorgung und Kanalisation für die Stadt projektierte. Damit wies sich Hobrecht als Spezialist auf diesem Gebiet aus.

 
 
Hobrechts Lebenswerk und größtes Verdienst war die Einführung eines modernen Entwässerungssystems für Berlin. Mit seinen in Stettin und auf Inspektionsreisen nach England und Frankreich gewonnenen Erfahrungen war er für die Ausarbeitung eines Entwässerungsprojekts, dessen Einführung in Berlin schon seit den 40er Jahren diskutiert wurde, prädestiniert. Ab 1869 leitete Hobrecht die Voruntersuchungen und war von 1873 bis 1897 Chefingenieur der Kanalisation. Während dieser Zeit war sein Bruder Arthur übrigens von 1872 bis 1878 Oberbürgermeister von Berlin.
Hobrechts Kanalisationsprojekt sah den Bau eines in 12 Entwässerungsgebiete eingeteilten Radialsystems vor, durch das die Abwässer der Stadt über Pumpstationen auf Rieselfelder geleitet wurden. Dieses Vorhaben zur Lösung der hygienischen Probleme Berlins setzte er gegen alle Widerstände energisch und konsequent durch. Sein wichtigster Mitstreiter war der Arzt, Hygieniker und Politiker Rudolf Virchow.

Die Wahl zum Stadtbaurat für den gesamten Tiefbau im Jahre 1885, war auch eine Würdigung des Hobrechtschen Engagements für Berlin. Während seiner Amtszeit trieb er den Straßen- und Brückenbau entschieden voran.
1897 schied er altersbedingt aus allen Ämtern. 1902 starb Hobrecht 77jährig, hochgeehrt und dekoriert in Berlin.