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Zeugnisse der Spaltung -
Kanalisation im geteilten Berlin
Seit 6. November 2009
Der 20. Jahrestag der Wende in der DDR und die Öffnung der Mauer am 9. November 1989 geben Gelegenheit
auf ein Thema hinzuweisen, dass auch heute noch wenig beachtet und in der Beschreibung der Grenzproblematik
in Berlin kaum eine Rolle spielt Die Ausstellung beschreibt die „unterirdischen Grenze“ die durch die
Kanalisation verlief. Folgende Themen stehen dabei im Mittelpunkt: Sperranlagen in der grenzüberschreitenden
Kanalisation, Fluchten durch die Kanalisation, Autarkiebestrebungen in Ost und West; Einerseits durch den Bau
von Klärwerken im Westteil und die geplante und zum Teil durchgeführte Trennung des Abwassernetzes, Entflechtung
genannt, im Ostteil Berlins.
Außergewöhnliche Dokumente Fotos und gegenständliche Exponate, dokumentieren diese besondere Problematik Berlins
unter den Bedingungen der geteilten Stadt ab 1949. Die Teilung hatte, wie auf die gesamte Infrastruktur, auch
Auswirkungen auf die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung Berlins. Während die Wasserversorgung im Prinzip
bereits seit 1950 getrennt war, blieb die Entwässerung noch lange Zeit ein gesamtstädtisches Gefüge.
Dieses Entwässerungssystem hatte ab 1873 James Hobrecht, Baurat und Chefingenieur der Kanalisation, projektiert
und bauen lassen. Er sah für Berlin zwölf voneinander unabhängige Entwässerungsgebiete, auch Radialsysteme
genannt, vor, die mit Pumpwerken und Rieselfeldern verbunden waren. Hobrecht hatte damit ein einheitliches,
hochmodernes und in die Zukunft weisendes Entwässerungssystem geschaffen, das Berlin als stetig wachsendem
Industriestandort Rechnung trug. Nach der Spaltung Berlins ging die Sektorengrenze durch einige der
Entwässerungsgebiete, die grenzüberschreitenden Kanäle wurden Teil der unterirdischen Grenze.
Fluchtwege und Sperrgitter
Bereits Mitte der fünfziger Jahre wurden auf Veranlassung des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR entlang
der Sektorengrenze zwischen Ost- und Westberlin die ersten Sperrgitter in einige begehbare Kanäle eingebaut. Nach
dem 13. August 1961 begann der flächendeckende Einbau von Sperranlagen in die Kanalisation im gesamten
Grenzbereich, um Fluchten rigoros zu verhindern. Wie die oberirdische Mauer, wurden im Laufe der nächsten Jahre
diese Anlagen um- und ausgebaut und weiter perfektioniert. Ca. 54 Sperranlagen der verschiedensten Art waren das
Ergebnis des jahrzehntelangen unterirdischen Grenzausbaus.
Die Ausstellung zeigt zu dem Thema zwei besondere Exponate: Zwei originale Sperrgitter unterschiedlicher Bauart,
die nach dem Ausbau 1999 dem Museum übergeben wurden.
Trotz der Gitter war die Kanalisation ein wichtiger, ab 1961 oft der einzige Fluchtweg. Einer der meistgenutzten
Kanäle war der unter der Gleimstraße in Prenzlauer Berg und Wedding. Noch bis Mitte 1962 gelang es vielen
Menschen durch einige begehbare Kanäle nach Westberlin zu gelangen, bis auch das nicht mehr möglich war. Einige
Fluchtversuche gab es immer wieder bis 1980.
Die Berichte von drei ehemaligen Flüchtlingen beschreiben auf eindrucksvolle Weise dieses Erlebnis und können in
der Ausstellung nachgelesen werden.
Abschottung und Verständigung
Das ursprünglich einheitliche Berliner Abwassersystem musste auch nach der Spaltung der Stadt funktionieren.
Das zwang zu sachlicher Zusammenarbeit auf politischer und betrieblicher Ebene. Zahlreiche Dokumente und immer
wieder getroffene Verträge und Vereinbarungen zwischen DDR-Ministerien und dem Senat von Westberlin belegen das.
Die Zementierung der Teilung führte in beiden Stadthälften allerdings auch zu Überlegungen, wie die jeweils
eigene Entwässerung unabhängig vom ehemaligen Partner umfunktioniert werden könnte.
Auf Westberliner Seite wollte man durch den Bau von Klärwerken weniger abhängig von Reinigungsanlagen in der
DDR werden. Spätestens seit 1983 konnten große Abwassermengen in den zwei eigenen Kläranlagen gereinigt werden.
Mit der Inbetriebnahme der Klärwerke Ruhleben (1963) und Marienfelde (1974) konnte das realisiert werden.
Nachdem es in der DDR bereits seit 1970 praktische Schritte gegeben hatte, fasste das Politbüro der SED 1983 vor
allem aus finanziellen Gründen einen Beschluss, der die Entflechtung, das heißt die Trennung des Berliner
Abwassernetzes bis 1990 festlegte. Danach sollte das Abwasser, das vom Ost- in den Westteil Berlins floss, an
der Grenze abgefangen und auf Rieselfelder oder Klärwerke im Ostteil umgeleitet werden. Hierzu mussten Kanäle
abgemauert und umgebaut, Abwasserpumpwerke errichtet und neue Abwasserdruckrohrleitungen verlegt werden - ein
umfangreiches, mit extrem hohen Kosten verbundenes Programm.
Bis zum Fall der Mauer 1989 waren große Teile dieses Programms bereits realisiert. Nach der Grenzöffnung
begannen Mitarbeiter des Ostberliner Betriebes Wasserversorgung und Abwasserentsorgung im März 1990 umgehend mit
dem Ausbau der Sperranlagen aus den Grenzkanälen. Gleichzeitig wurden alle, im Zuge der Entflechtung entstandenen
Grenzpumpwerke und Kanalumschlüsse zurückgebaut. Berlin hatte somit wieder ein einheitliches, leistungsfähiges
Entwässerungsnetz, ohne Grenzen und Trennlinien.
Download des Flyers
Führungen können unter der Nummer des Museums angemeldet werden.
Technik unter Denkmalschutz (seit Mai 1997)
In den Werken und Anlagen der
Berliner Wasserbetriebe hat sich neben den historischen Bauten auch eine
beachtliche Anzahl von Maschinen und technischen Analagen erhalten, die
z. T. bereits vor 100 Jahren in Betrieb war. Diese Maschinen zeugen auf
eindrucksvolle Weise vom damals erreichten technischen Stan und der technischen
Entwicklung im Bereich der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Hier
ist ein reicher Fundus an Maschinen und Technik noch erlebbar, der in dieser
Form einmalig ist für die Berliner Dankmallandschoch erlebbar, der in dieser
Form einmalig ist für die Berliner Dankmallandschaft. 33 Wasserwerke,
Abwasserpumpwerke und Verwaltungsgebäude stehen unter Denkmalschutz.
Ein nicht geringer Teil dieser Maschinen und technischen Anlagen ist noch
in Betrieb bzw. wird als Reserveanlagen betriebsbereit gehalten. Einige
Maschinen befinden sich in stillgelegten älteren Werken oder Werkteilen.
Für deren Erhaltung müssen noch tragfähige Lösungen
gefunden werden. Andere historische Maschinen befinden sich in Museen (Wasserwerksmuseum,
Ökowerk Teufelssee, Lapidarium Pumpwerk III). Außer diesen öffentlich
zugänglichen Anlagen gibt es in den in der Ausstellung vorgestellten
Wasserwerken und Abwasserpumpwerken maschinentechnische Anlagen, die denkmalgeschützt
oder zumindest historisch wertvoll sind. Von den Dampfmaschinen über
Gasmotoren, Diesel- und Elektromotoren ist eine breite Platte des traditionsreichen
Maschinenbaus in Berlin zu sehen. Historische Antriebstechniken bei Wasser-
und Abwasserwerken aus der Zeit von 1893 bis in die zwanziger Jahre hinein
können hierauf kleinem Raum besichtigt werden. In einem erstmals
zugänglichen Anbau des Schöpfmaschinenhauses A, ausgestattet
mit Elektrokreiselpumpen aus den zwanziger Jahren, werden fünf Wasserwerke,
ein Klärwerk und fünf Abwasserpumpwerke aus Berlin und Brandenburg
mit ihren maschinentechnischen Anlagen und denkmalgeschützten Gebäuden
in historischen und aktuellen Fotos und Zeichnungen vorgestellt. | |