| Der 10. Jahrestag der Wende
in der DDR und die Öffnung der Grenze am 9. November 1989 geben Gelegenheit, auf ein Thema hinzuweisen, das in der
Öffentlichkeit wenig bekannt ist. Die Probleme und Besonderheiten der geteilten Stadt nach 1949 hatten auch Auswirkungen auf die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in Berlin. Eine neue Ausstellung im Museum im Wasserwerk beschäftigt sich mit der „unterirdischen Grenze“, die durch die Kanalisation verlief. Zwei Schwerpunkte hat die Ausstellung: die Sperranlagen in der Kanalisation und die seit 1970 durchgeführte Trennung des Abwassernetzes, damals auch Entflechtung genannt, an der innerdeutschen Grenze in Berlin. Berlin erhielt ab 1873 eine Kanalisation, die nach dem Projekt von Baurat James Hobrecht ausgeführt wurde. Hobrecht sah für Berlin zwölf voneinander unabhängige Entwässerungsgebiete, auch Radialsysteme genannt, vor. Für die Begrenzung der Systeme waren Wasserläufe und durch Geländehöhen gebildete Wasserscheiden maßgebend. An einem möglichst tiefen Punkt wurde ein Pumpwerk angeordnet, zu dem das Regenwasser sowie das gesamte häusliche und gewerbliche Abwasser im freien Gefälle durch Kanäle floss. Vom Pumpwerk wurde das Abwasser durch Druckrohre aus Rieselfelder gefördert. Ein Teil dieser Entwässerungsgebiete wurde später durch die Bezirksgrenzen durchschnitten. Die Klärwerke und der überwiegende Teil der Rieselfelder zur Behandlung des Abwassers ganz Berlins lagen außerhalb des Stadtgebietes. Nach der Spaltung Berlins ging die Sektorengrenze durch einige dieser Entwässerungsgebiete. Bereits in der Mitte der fünfziger Jahre wurden auf Veranlassung des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR entlang der Sektorengrenze zwischen Ost- und West- Berlin die ersten Sperrgitter in einige begehbare Kanäle eingebaut, um eine Flucht aus dem Ostteil und das Einschleusen von Agenten aus dem Westteil zu verhindern. Nach dem 13. August 1961 begann der flächendeckende Einbau von Sperranlagen in die Kanalisation im gesamten Grenzbereich. Später wurden diese Anlagen umgebaut und perfektioniert. Auf West-Berliner Seite wollte man durch den Bau von Klärwerken weniger abhängig werden. Trotz der politischen Spaltung und gegenseitigen Abschottung der Systeme musste die tägliche Arbeit, die Abwasserentsorgung in Berlin, reibungslos funktionieren. Die Fachleute der beiden Wasserbetriebe im West- und Ostteil der Stadt pflegten die notwendigen Arbeitskontakte und beseitigten die auftretenden Störungen. Politische und Ökonomische Überlegungen führten in der DDR, nachdem es bereits seit 1970 praktische Schritte gegeben hatte, 1938 zu einem Politbürobeschluss, der die Entflechtung, das heißt die Trennung des Berliner Abwassernetzes bis 1990 festlegte. Danach sollte das Abwasser, das vom Ost- in den Westteil Berlins floss, an der Grenze abgefangen und auf Rieselfelder oder Klärwerke im Ostteil gefördert werden. Hierzu mussten Kanäle abgemauert und umgebaut, Abwasserpumpwerke errichtet und neue Abwasserdruckrohrleitungen verlegt werden, ein umfangreiches, mit hohen Kosten verbundenes Programm. Bis zum Fall der Mauer 1989 waren große Teile dieses Programms bereits abgeschlossen. Zahlreiche Kanäle waren umgebaut. Von acht Abwasserpumpwerken wurden vier mit den dazugehörigen Abwasserdruckleitungen betrieben. 1990 begann sofort der Ausbau der Grenzanlagen aus den Kanälen. Gleichzeitig erfolgte der Rückbau der im Zuge der Entflechtung entstandenen Grenzpumpwerke und Kanalumbauten. Berlin hat somit heute wieder ein einheitliches, leistungsfähiges Entwässerungsnetz ohne Grenzen und Trennlinien. Ein ausgebautes Gitter aus einem Regenüberlaufkanal im Bezirk Treptow blieb erhalten und kann in der Ausstellung besichtigt werden. |
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