Die Hygienische Situation Berlins war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts unzumutbar. Wasser, Straßen und die berühmte Berliner Luft wurden immer mehr verschmutzt. Es existierte weder eine geregelte Straßenreinigung, noch war eine geordnete Entleerung der Abtrittsgruben (Toiletten) in den Höfen der Häuser organisiert. Küchenabfälle und der Inhalt der Nachttöpfe landeten gewöhnlich in den berüchtigten tiefen Rinnsteinen zwischen Straße und Bürgersteig, die schließlich in die Spree oder deren Seitenarme mündeten. Dorthin wurden auch die menschlichen Exkremente der Sickergruben und Latrinen gebracht. Damit war die Selbstreinigungskapazität der langsam fließenden Spree erschöpft. Die Rinnsteine dienten bis in die siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts zur Abteilung des Haus- und Straßenabwassers.
 
 
Trinkwasser gewannen die Berliner seinerzeit aus den zahlreichen Hof- und Straßenbrunnen mit Pumpen direkt vor Ort. Das eigentlich gute und reichlich vorhandene Grundwasser, wurde aber durch das von den verschmutzten Straßen versickernde Abwasser zunehmend verseucht. Bakterien und Keime breiten sich im Grundwasser aus. Die typischen Hygienekrankheiten Typhus und Cholera, an denen viele Menschen in der Region starben, traten regelmäßig auf.
 
 
Hinzu kam die große Armut, miserable Wohnverhältnisse und unzureichende Ernährung, die vor allem in den engen Stadtvierteln in der Mitte Berlins um den Krögel, die Stralauer- und Parochialstraße herrschten.

Durch rücksichtslose Spekulation und heute unvorstellbar dichte Bebauung war Berlin in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur größten Mietskasernenstadt der Welt geworden. Es herrschte drückende Enge und Überfüllung. Manche Häuser hatten bis zu sechs Hinterhöfe, in denen Licht und Luft fehlten. Oft war nur eine Wohnküche für die großen Familie vorhanden. Hier gab es zwar schon fließendes Wasser, aber es war nur eine Toilette auf dem Hof oder später im Treppenhaus, die von mehreren Familien genutzt wurde.

Der erste wichtige Schritt zur Bekämpfung von Schmutz und Krankheiten war der Bau der ersten Wasserwerke 1856, 1877 und 1893. Dadurch war eine sichere Versorgung der Berliner mit gutem sauberen Wasser gewährleistet.
Die tiefen Rinnsteine verschwanden erst mit dem Bau der Kanalisation 1876.
Erkrankungen, die auf verschmutztes Wasser und die unzureichenden hygienischen Verhältnisse zurückzuführen waren, wurden seltener.